Causa Shon Weissman: Keine Fortuna für Genozid-Befürworter

Eins zu Null für die Gegner von Genozid-Befürwortung: Am Dienstag gelang es den Fans der Fortuna Düsseldorf, ihren Verein zum Einlenken zu bewegen und den israelischen Stürmer Shon Weissman nicht unter Vertrag zu nehmen.

Der Wechsel hätte eine Erfolgsgeschichte für die Fortunen werden können: Spätestens nach der Schlappe beim Saisonauftakt gegen den Pokalzweiten, die Arminia aus Bielefeld (1:5), ist man beim Zweitligaverein dringend auf der Suche nach einem passenden Stürmer. Dieser sollte im derzeit beim spanischen Zweitligisten FC Granada vertraglich verpflichteten Shon Weissman gefunden sein.

Für eine Summe von 500.000 Euro hätte man den 29-Jährigen bei einem Marktwert von derzeit 1,2 Mio Euro quasi geschenkt haben können. Auch für Weissman wäre dieser Wechsel ein neuer Schritt in seiner Karriere gewesen. In Deutschland hätte er sich damit in einer der Europaweit Top 5 Ligen beweisen können und sich gegebenenfalls nach England oder in die Bundesliga weiterempfohlen. Alles war perfekt, der Medizincheck bestanden, die Gespräche im Gange. Doch dann kam die Fanszene Düsseldorfs.

In der Kritik stand Weissman wegen seiner Befürwortung von Kriegsverbrechen gegen Palästinenser:innen. Der Stürmer forderte unter anderem, dass man „200 Tonnen an Bomben“ auf Gaza werfen solle. Gaza müsse dem Erdboden gleich gemacht werden. Mit Likes bedachte er unter anderem Postings, die behaupten, es gäbe „keine Unschuldigen in Gaza“ und die durch die Blume die Ermordung von Minderjährigen bejahen: „Die Kinder von Gaza 2014 sind zu den Mördern von 2023 geworden“.

Wegen dieser Posts stand er auch schon bei seinem bisherigen Verein, FC Granada, in der Kritik, weshalb dieser ihn zunächst nach Italien, zu US Salernitana in die zweite Liga verlieh und ihn nun schließlich ganz loswerden wollte.

Düsseldorf gab an, deshalb über diese Online-Postings mit dem Spieler in den Verhandlungen gesprochen zu haben. Dieser behauptete, die Postings aus dem Affekt heraus erstellt und geliket zu haben. Doch das stimmte nicht, denn sein Online-Verhalten blieb weit über die unmittelbare Zeit nach dem 7. Oktober hinaus konsistent menschenverachtend.

Also starteten einige Fans eine Petition, in der sie von ihrem Verein forderten, die umstrittene Personalie nicht zu verpflichten. Sie schrieben: „In einer Gesellschaft, die immer noch gegen Intoleranz und Diskriminierung kämpft, ist es unerlässlich, dass Sport, insbesondere Fußball, eine Plattform ist, die Einheit und Respekt fördert.“ Auch der Aufsichtsrat des Vereins legte daraufhin Veto ein. Dieser Einsatz zahlte sich schließlich aus und der Verein verkündete via X, dass man von einer Verpflichtung absehe.

Weissman veröffentlichte nach dem geplatzten Deal ein Statement, in dem er uneinsichtig auf die israelischen Geiseln verwies und behauptete, fälschlich als jemand dargestellt worden zu sein, der Hass fördere. Seiner Meinung nach sei der vollständige Kontext nicht berücksichtigt worden.

In die gleiche Kerbe schlug der von Volker Beck (Grüne) geführte Lobby-Verein „Deutsch-Israelische Gesellschaft“ (DIG): Die „Kampagne“ gegen Weissman sei „Ausdruck eines in Deutschland weit verbreiteten israelfeindlichen und antisemitischen Klimas, das auch den Sport vergiftet“. Ob das Befürworten der massenhaften Ermordung von Kindern das „Klima im Sport“ nicht auch ein wenig beschädige, darüber war vonseiten der Weissman-Verteidiger nichts zu vernehmen.

Der Erfolg der Fanproteste bei Fortuna (und die Fanproteste überhaupt) ist auf ein generelles Kippen der Stimmung in Deutschland bezüglich des Gaza-Genozids zurück zu führen. Dennoch stellt die Situation noch einen Einzelfall im deutschen Fußball dar.

Die Fans von Fortuna Düsseldorf führen anders als vermeintlich “links” bekannte Fanszenen, wie jene in Bremen und auf St. Pauli (beide äußerten sich in den letzten Jahren ausschließlich pro-israelisch), mit diesem Einsatz vor, wie es gehen kann. An ihnen sollten sich Fans im deutschen Fußball ein Beispiel nehmen.

# Bildquelle: „Süd-Tribüne“ von SurfGuard, CC BY-NC-SA 2.0

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