Israels Ökozid am Libanon

Israel zerstört großflächig Land des Südlibanons mit Pestiziden

Die fortwährende Überwachung des Libanon durch Israel mittels Drohnen, sowie die nahezu tägliche Bombardierung der Grenzregionen wegen einzelner Hisbollah-Mitglieder stellt bereits eine erhebliche Einschränkung in die Souveränität des Libanons dar.  Hinzukommend flogen am 1. Februar 2026 Flugzeuge der Israel Defence Forces (IDF) über weite Teile des Südlibanons und versprühten das Pestizid Glyphosat auf libanesischen Feldern. In sozialen Netzwerken kursieren verschiedene Videos, die diesen Vorgang dokumentieren, UNIFIL-Soldaten gaben an, vor einem Luftmanöver gewarnt worden zu sein. Die israelische Regierung hat sich zu dem Vorfall bislang nicht geäußert.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. In diesem Fall wurde es laut der libanesischen Regierung in einer 20- bis 30-fach höheren Dosis als üblich benutzt, was zur vollständigen Vernichtung aller Pflanzen führte, die mit dem Mittel in Kontakt kamen. Der Angriff lässt sich deswegen als Teil eines Ökozids einordnen. 

 Eine Sprecherin der UN bezeichnete den Vorfall als „violation of resolution 1701“. Diese Resolution regelt die Vorgänge an der libanesischen Grenze zu Israel, seitdem die UN dort im Einsatz ist. 

Was ist ein Ökozid?

Ökozid bezeichnet gemäß der Organisation „Stop Ecocide International“ die massive, rechtswidrige oder vorsätzliche Zerstörung von Ökosystemen durch menschliches Handeln, die weitreichende und langfristige Umweltschäden verursacht.

Die Definition wurde von der Organisation entwickelt, um Ökozid als fünftes Verbrechen in das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs aufzunehmen. 

Finden Angriffe dieser Art im Rahmen eines Krieges statt, sind sie bereits völkerrechtlich verboten. Denn Angriffe die weitreichenden, langanhaltende und schwere Umweltschäden verursachen, gelten als Kriegsverbrechen.

Auswirkungen des Angriffs 

Im Südlibanon an der Grenze zu Israel befinden sich militärische Sperrzonen, sowie landwirtschaftliche Felder, Dörfer, kleinere Städte und ein ausgedehntes Waldgebiet. Nach Berichten libanesischer Landwirte sind die Auswirkungen sowohl für sie als auch für das gesamte Ökosystem verheerend. Zudem beeinträchtigen sie die Lebensmittelsicherheit, die Wasserqualität und die Artenvielfalt erheblich. Der Angriff erfolgte zu dem Zeitpunkt, an dem die Landwirte mit dem Pflanzen von Bäumen und der Frühjahrsaussaat beginnen. Der Boden ist jedoch derart stark kontaminiert, dass eine Regenerierung mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann. 

Auch Landwirte im Süden Syriens berichten, dass wenige Tage zuvor Pestizide von israelischen Flugzeugen versprüht wurden. Dies stellt eine ernstzunehmende Bedrohung für die Wirtschaft und die Lebensmittelsicherheit der betroffenen Dörfer dar. Außerdem wird die wichtigste Einkommensquelle vieler Landwirte ohne jegliche juristische Grundlage zerstört. 

Systematisches Vorgehen Israels

Dieser Angriff im Libanon ist kein Einzelfall. Die IDF zerstört systematisch die Agrarkultur im Süden Libanons. Zuletzt wurde beim Krieg gegen die Hisbollah im Jahr 2024 der Süden Libanons von Israel unter anderem mit weißem Phosphor bombardiert, was großflächige Waldbrände auslöste. Dabei verbrannten unter anderem uralte Olivenhaine. Nach Angaben der libanesischen Regierung wurden ungefähr 9000 Hektar Land zerstört. 

Berichten zufolge waren die Brände nur der Anfang. Anschließend bombardierte Israel das Gebiet, und die verbliebenen Bäume wurden von der IDF mit Baggern zerstört. Es ist anzunehmen, dass das Ziel Israels darin bestand, das Gebiet so zu zerstören, dass eine Regeneration nicht mehr möglich ist.

Diese systematische Zerstörung hat laut Berichten von Al Jazeera bis heute erhebliche Folgen für die Bevölkerung. Viele Landwirte besaßen Bienenstöcke, doch da die Bienen nach dem Brand keine Pollen mehr als Nahrung fanden, verließen die Bienenvölker das Gebiet. Dies hat sowohl ökologische als auch finanzielle Auswirkungen für die Landwirte. 

Wald war für die umliegenden Dörfer nicht nur ein identitätsstiftender Naturraum, sondern sicherte auch ihren Lebensunterhalt. Die Wurzeln der Bäume stabilisierten den Boden, verhinderten Erosion vor und leiteten Regenwasser in unterirdische Wasserspeicher. Dies ist besonders wichtig für eine Region, in der Niederschläge selten sind und Dürre eine ständige Bedrohung darstellt. 

Darüber hinaus sind zahlreiche Tier- und Pflanzenarten betroffen, die durch den Verlust ihres Lebensraums stark gefährdet sind. Trotz der nachgewiesenen gravierenden Folgen für Natur und Tierwelt äußern sich Artenschutzorganisationen wie der WWF nicht zu diesem Thema, obwohl mehrerer Anfragen von Al Jazeera vorliegen.

Warum sind die Angriffe als Ökozid zu verstehen?

Die Abfolge dieser Angriffe Israels deutet auf ein systematisches Vorgehen hin, das darauf abzielt, das Ökosystem des Südlibanons dauerhaft zu schädigen. Dabei werden sowohl bewohnte Gebiete als auch landwirtschaftliche Flächen gezielt getroffen. Die dort lebende Bevölkerung ist stark von der Landwirtschaft als Wirtschaftssektor abhängig. Die Zerstörung dieser Flächen führt daher zwangsläufig zu einer Vertreibung der Menschen. 

Zudem kommen bewusst Pestizide zum Einsatz, deren gesundheitsschädliche und zerstörerische Wirkungen bekannt sind.  Sie sind kein unbeabsichtigter Kollateralschaden eines Konfliktes, sondern stellen eine gezielte Zerstörung der Umwelt und Lebensgrundlagen der betroffenden Gebiete dar. Auch die National Human Rights Comission (NHRC-CP) bezeichnet dies als Ökozid und fordert eine internationale Untersuchung sowie die Verantwortlichmachung Israels vor dem International Criminal Court.

Internationales Recht & Reaktion westlicher Länder

Beide Angriffe fügen faktisch zu einer Zerstörung der Lebensgrundlagen und sorgen dafür die betroffenen Gebiete unbewohnbar zu machen. Dieses Vorgehen wirkt strategisch, um eine erzwungene Vertreibung der Bevölkerung herbeizuführen. Der Einsatz dieser chemischen Substanzen stellt aufgrund ihrer zerstörerischen Wirkung auf die Vegetation und der unmittelbaren Gefärdung der öffentlichen Gesundheit könnte einen schweren Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht darstellen. Dieses verbietet Methoden und Mittel der Kriegsführung, die wahllos Schaden anrichten, unnötiges Leid verursachen oder weitreichende, langfristige Schäden an der natürlichen Umwelt hervorrufen, bestätigt die NHRC-CPR.

Die begrenzte politische Reaktion westlicher Staaten und die minimale Berichterstattung westlicher Medien fügt sich in eine zurückhaltende Haltung gegenüber israelischen Militäroperationen ein. Es scheint, als habe die westliche Gesellschaft das Thema Israel mit dem Ausrufen der Waffenruhe für beendet erklärt, ohne zu berücksichtigen, dass die Angriffe auf Palästina, Syrien und den Libanon unverändert fortgesetzt wurden.

Dieser Angriff reiht sich somit in eine Vielzahl von Völkerrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen Israels ein, welche so regelmäßig vorkommen, dass man sich die Frage stellt, welchen Zweck das Völkerrecht tatsächlich erfüllt. 

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